Archiv der Kategorie: Buch

Altstadt von Jerusalem / Foto: Wikimedia Creative Commons - Mattes

Relativitätstheorie des Verrats

Amos Oz’ vielschichtiger Roman “Judas”

Amos Oz hat ein berührendes Buch geschrieben, das sich auf ungewöhnliche und erfrischende Weise mit der Frage der historischen Legitimität des Staates Israels auseinandersetzt. Die Geschichte spielt in einem abgeschiedenen Jerusalemer Wohnhaus, in dem im Winter 1959/60 ein entwurzelter junger Mann, ein sarkastischer Greis und eine faszinierend-geheimnisvolle Frau mittleren Alters aufeinandertreffen. Relativitätstheorie des Verrats weiterlesen

Thomes aktueller Roma ist tatsächlich ein "Gegenspiel" zu sein letzten Buch "Fliehkräfte". / Abbildung: Suhrkamp

Perspektivenwechsel

Stephan Thomes gelungener Roman “Gegenspiel”

In seinem dritten Roman erzählt Stephan Thome die Geschichte einer Frau zwischen der katholischen Strenge ihres Heimatlandes Portugal, der Unverbindlichkeit Berlins und der erdrückenden Enge der mitteldeutschen Provinz. Schilderte Thomes letztes Buch “Fliehkräfte” die Geschichte des Philosophie-Professors Hartmut, so geht es in “Gegenspiel” nun um den Werdegang seiner Frau Maria. Ein überzeugend realistischer Roman voller Sehnsüchte und Rückschläge. Perspektivenwechsel weiterlesen

Der Feind meines Vaters / Cover: Hanser Verlag

Zwischen Guerilla und Guardia Civil

Almudena Grandes’ berührender Post-Bürgerkriegs-Roman “Der Feind meines Vaters”

Die Schriftstellerin Almudena Grandes ist nach eigenen Worten besessen vom Spanischen Bürgerkrieg und der Nachkriegszeit. Ihr neuer Roman spielt Ende der 1940er Jahre in Andalusien und erzählt die bewegende Geschichte eines Polizistensohnes auf der Suche nach Menschlichkeit in Zeiten von Repression und Terror. Zwischen Guerilla und Guardia Civil weiterlesen

John Green. Foto: Peter-Andreas Hassiepen / Hanser Verlag

“Krebsbücher sind doof”

John Greens beeindruckendes Jugendbuch “Das Schicksal ist ein mieser Verräter”

Der amerikanische Autor John Green schafft etwas, das nicht viele schaffen: Er bringt jugendliche Leser und Kritiker gleichermaßen zum Weinen. Er schreibt über große Gefühle, über Liebe und Tod, ohne dabei jemals ins Sentimentale oder Kitschige abzugleiten. Die Protagonistin seines neuen Romans ist 16 und hat Krebs. Dennoch ist „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ kein Problembuch – zu humorvoll, zu lebendig, zu poetisch ist die Geschichte erzählt. “Krebsbücher sind doof” weiterlesen

Ausschnitt Coverbild: Frau des Windes / Coverbild: Suhrkamp

Ein ungezähmtes Leben

Elena Poniatowskas Roman-Biographie “Frau des Windes”

Leonora im englischen Nebel, Leonora mit wehendem Haar in den Straßen von Paris, Leonora als Debütantin am englischen Hof, Leonora mit Max Ernst nackt am Flussufer und immer wieder: Leonora mit Pinsel und Zigarette vor der Staffelei. Es ist ein wilder Strudel von Bildern und Ereignissen, der den Leser in den ersten Kapiteln von „Frau des Windes“ erfasst. Bereits in jungen Jahren sprengt die englische Industriellentochter und spätere Surrealistin Leonora Carrington die Konventionen ihrer Zeit. Ein ungezähmtes Leben weiterlesen

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson. Cover: Carl's Books

Postmoderner Don Quijote

Jonas Jonassons Debütroman mäandert bezaubernd skurril durch die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Ein gestohlener Koffer voller Geld und eine tiefgefrorene Leiche. Und zwei branntweinselige alte Männer, die sich davon auf keinen Fall die Laune verderben lassen wollen. Sie frühstücken zuerst einmal ausgiebig und treten dann auf einer Fahrraddraisine die Flucht an. Postmoderner Don Quijote weiterlesen